Gartenplanung
Wir haben hier schon einiges zu unserem Garten berichtet und ein paar schöne Bildchen gezeigt, aber steckt denn eigentlich auch so etwas wie ein “Plan” hinter alledem? Die kurze Antwort: Nein und Ja.
Nein? Nun, echte Profis würden sich eine Skizze des Gartens fertigen, maßstabsgetreu. Was wächst schon wo, wie sind jeweils die Bodenbedingungen, wie die Lichtverhältnisse? Welcher Bereich ist am besten geeignet, um Zier-, Gemüse- oder Kräutergarten zu werden? Wo wachsen Färbepflanzen am besten, wo legt man die Giftecke an und welche Bereiche lässt man wild, um der Natur ihren Raum zu lassen?
Ursprünglich hatten wir uns überlegt, mithilfe der Drohne eines Kollegen ein schönes Luftbild zu machen, um dieses als Grundlage für eine Skizze zu nutzen. Corona darf hier als Ausrede herhalten, warum das nie was geworden ist. Aber die Erfahrung der letzten Jahre zeigt auch, dass das wahrscheinlich eh kaum was gebracht hätte. Wir tendieren dazu, Pläne immer wieder zu verwerfen, die Gestaltung doch ein wenig anders zu machen, je nachdem, welche Materialien denn gerade zur Verfügung stehen. Eine Gartengestaltung wächst mit der Zeit, ist ein organisches Konstrukt – manche Dinge bewähren sich, andere werden verworfen, wieder andere sortiert die Natur für einen aus.
Ja! - Gewisse Vorstellungen haben wir natürlich doch. Wir werden nicht anfangen, unseren Kohl neben einen Zier-Farn zu setzen, einfach weil da gerade Platz ist. Deswegen haben wir die bereits bekannten Beete angelegt und kratzen uns nachdenklich den Kopf bei den Überlegungen, wo denn nun unsere neu erworbenen Kräuter am besten gedeihen dürfen.
Aber fangen wir beim Anfang an. Das erste Beet, welches wir bestellt haben, ist das Hochbeet. Auch das “Beerenbeet”, ein Beet das um eine vorhandene Johannisbeere entstanden und um Stachelbeeren erweitert ist, wurde nicht ohne Hintergedanken bepflanzt. Und selbst im Kartoffelacker probieren wir den einen oder anderen “Trick” aus.
Mischkultur!
Monokultur ist böse, das weiß jeder. Deswegen machen wir Mischkultur. Das bringt Vielfalt ins Beet und später auch auf den Teller. Der Vorteil: Durch geschickte Pflanzenkombinationen kann die Anfälligkeit der Pflanzen für gewisse Krankheiten und Schädlinge verringert werden. Als Orientierungshilfe dient uns das Buch “Der Biogarten” von Marie-Luise Kreuter – ein Klassiker, der in keinem Bücherregal eines Naturgärtners fehlen sollte!
Das Hochbeet
Beispiel Hochbeet. Von Norden nach Süden haben wir es folgendermaßen aufgebaut:
Dicke Bohnen: Die werden vergleichsweise groß und sollen anderen Pflanzen nicht in der Sonne stehen, weshalb sie an das nördliche Ende gesät wurden. Bohnen mögen feuchten Boden, wollen aber “die Glocken läuten hören” (in unserem Fall die Amsel singen hören), dürfen also nicht zu tief gesetzt werden. Bei sandigem Boden führt der Zwischenweg zu einem tiefen Saatloch, welches dann aber nur relativ dünn mit Erde bedeckt wird. Gute Nachbarn sei Pflücksalat, also wächst bei uns Feldsalat dazwischen.
Buschbohnen. Bohnen – die dicken sowie die buschigen – ziehen gerne Läuse an. Um den Lausbefall zu verringern, haben wir Bohnenkraut dazugepflanzt. Gehört später sowieso an die Böhnchen, schmeckt einfach gut. Bezüglich der Nachbarschaft lasen wir in einem Buch, Zwiebeln seien nicht gut, in einem anderen, Zwiebeln dazu seien super. In einem weiteren, spontan angelegten Beetstreifen (sowiel zur “Planung”, s.o.) probieren wir es aus: Buschbohnen mit Steckzwiebeln, ohne Zwiebeln und mit Knoblauch. Alles natürlich mit zwei Pflänzlein Bohnenkraut.
Rote Bete sei ein Guter Nachbar zu Buschbohnen. Also kamen ein paar Pflänzlein in die nächste Reihe.
Bunter Mangold ist schön und lecker. Da er de facto dieselbe Spezies ist wie Rote Bete und wir deshalb nicht mit Unverträglichkeiten rechnen, kam also nächstes eine Reihe davon. Achtung: Ab jetzt wird es gewieft.
Denn Mangold verträgt sich gut mit Möhrchen und Radieschen. Die beiden sind wiederum eine prima Kombination, denn die Radieschen keimen recht schnell, Möhrchen brauchen aber länger. Die Radieschen kann man somit gut als “Markierung” nutzen, damit man nicht vergisst, wo man denn nochmal die Möhrchen gesät hat. Jede Reihe Möhrchen ging nun mit einigen Samen Radies einher.
Und nun zur Super-Kombi: Möhrchen und Zwiebeln. Denn: Die Möhrchen halten die Zwiebelfliege fern und die Zwiebeln die Möhrenfliege. Auf jede Reihe Möhrchen folgt eine Reihe Zwiebeln. Clever! Zwischendurch immer wieder mal Mangold. Weil’s geht.
Mairübchen schmecken uns auch. Zum Glück sind sie Freunde mit Radies und Salat. Auf die letzte Reihe Möhrchen/Radies säten wir die erste Reihe Mairüben.
Spinat steht gerne mit Kohlgewächsen. Gut zu wissen: Mairübchen sind Kohlgewächse (Brassicaceae), der Spinat kommt also als nächstes dran. Was er aber nicht mag, ist Rote Bete. Zum Glück steht die ganz weit weg.
Schließlich soll im Juni noch Endivie dazu. Die ist unkompliziert, mag Kohl, kann aber eigentlich an jede Stelle.
Blümchen gegen Älchen
“Älchen”, wie in “kleiner Aal” werden Nematoden umgangsprachlich genannt. Sie leben im Boden und ernähren sich auch gerne mal von Gemüse. Es gibt bestimmte Pflanzen, die bei diesen Wirbellosen sehr unbeliebt sind, darunter vor allem Calendula (Ringelblume), Kapuzinerkresse und Tagetes. Kapuzinerkresse haben wir an den Rand des Hochbeetes gesät; die Tagetes-Zöglinge warten noch darauf, ausgepflanzt zu werden, während Ringelblume großzügig ins Beeren-Beet gesät wurde. Für letztere nutzten wir selbstgeerntetes Saatgut einer schön orange-gelben Mischung, welche mit seinen ungefüllten (!) Blüten immer sehr, sehr viele Insekten anlockte.
Beeren-Beet und Rucola-Reihen
Das Beeren-Beet – mit der alten Johannisbeere und Stachelbeer-Ablegern, deren Elternpflanzen aus Omma und Oppa ihrem Garten stammen – steht wie der Rest recht sonnig und windig. Etwas, was die Beeren als ursprüngliche Bewohner lichter Wälder nur bedingt mögen. Gerade austrocknende Böden sind da schlecht. Kacke. Wat machste? Genau das, Kacke. Also, Stroh mit dieser, klein gehäckselt, Reste der Pferde-Mistladung als Mulch. Zwischen die Beeren wurden noch großzügig Knoblauchzehen gesteckt.
Dann haben wir noch die “Mittelbeete” – eines steht noch immer leer, der Boden durch eine Mulchdecke geschützt. Sonst wird alles vom Wind weggeweht oder die Spatzen nutzen das als Sandbad. Letzteres ist zwar süß, tut dort aber nicht Not. Später soll dort Spitzkohl rein, den wir im Roten Frühbeet vorgezogen haben. Für lecker Sauerkraut.
Das kleinere Mittelbeet ist bepflanzt. Wir brauchten mehr Zwiebeln, also kamen 25 Steckzwiebeln, rot und gelb im Schachbrettmuster, in die Erde. Gegen die Zwiebelfliege einen Kranz aus Möhrchen drum herum, ist ja wichtig. Die Außenkanten wurden mit Rucola bestückt; eine Kante pro Woche. So verschieben sich die Ernte-Zeitpunkte immer ein wenig und wir haben immer lecker Rucola zur Verfügung. Damit das klappt, ist es natürlich wichtig, dass wir die Pflanzen abschneiden, nicht ausreißen. So treiben sie später wieder aus und wir können erneut ernten.
Und die Kartoffeln?
Unsere Kartoffelsorten haben wir teilweise willkürlich, teilweise gezielt ausgewählt. Das ganz linke Beet teilen sich eine Sorte, deren Namen wir nicht kennen (war eine Packung aus dem Supermarkt, die schon zu stark gekeimt hat, um sie noch zu essen) und “Leyla”, eine mittelfrühe Kartoffel. Da sich Kümmel positiv auf den Kartoffelgeschmack auswirken soll, wurden einige solcher Pflänzlein zwischen die “Leyla”-Reihe pikiert.
Als nächstes folgt “Laura”, eine frühe Sorte mit roter Schale, mit der wir in der Vergangenheit zumindest auf dem schwer-lehmigen Boden in Velbert gute Erfahrungen gemacht haben.
Die zwei rechten Beete wurden mit einer Packung EDEKA-”Ackergold”-Kartoffeln bestückt; wieder eine Packung, die einfach schon angefangen hatte zu keimen. Koriander soll sich ähnlich positiv auswirken wie Kümmel, also wurden das “Laura”-Beet und ein “Ackergold”-Beet mit Koriander-Pflänzlein bestückt.
Die Töften teilen sich ihre Beete mit ein paar Kürbissen, die in den Frühbeeten gut gewachsen waren. Leider leiden manche davon trotz Mulchdecke auf der Erde unter den immer wiederkehrenden Nachtfrösten. Abdecken mit Jute scheint zu helfen. Und sieht authentischer aus.
Übrigens müssen Kartoffekn vorkeimen, bevor sie in den Boden kommen. Da erwiesen sich die Frühbeete wieder als sehr praktisch.
Und wie geht es weiter?
Jetzt müssen die jungen Gemüsepflanzen natürlich gepflegt und stellenweise ausgedünnt werden. Wo es sich anbietet, setzen und säen wir Neues nach. Auf dem Plan stehen zum Beispiel noch Zuckererbsen; die säen wir demnächst wohl auf dem Wall, der den Kartoffelacker nach Norden begrenzt, aus. Am Fichtenzaun können sie dann hochranken. Laut “Biogarten”-Buch vertragen sie sich unter anderem mit Fenchel; auch davon ziehen wir ein paar Pflanzen aus selbst geerntetem Saatgut hoch.
Für alles weitere haben wir viele Ideen – manchmal sogar Pläne. Bis wir diese über den Haufen schmeißen und was anderes machen.