Habemus clavem
Letzten Freitag wurde es ernst: nachdem wir uns einen 1.3t-Anhänger von haeng-mich-dran.de besorgt hatten, dauerte es weniger als zwei Stunden, bis Anhänger und Auto vollgeladen waren mit Kisten und einigen Holzplatten. In so einen Anhänger passt echt eine Menge rein! Mit dieser Menge Krempel fuhren wir am Samstagmorgen kurz vor acht Uhr los und kaum 6.5 Stunden später waren wir auch schon in Stafstedt, ohne Stau unterwegs.
Wie verabredet trafen wir am Neutjenthal 1 auf E., dem Verkäufer des Hauses. Ein kurzer Rundgang über das Grundstück und durch die Nebengebäude folgte, hier war in den letzten Wochen ordentlich entrümpelt worden. Beim Betreten des ebenfalls fast leergeräumten Hauses selbst begegnete uns die angenehme Wärme der allesamt brennenden Öfen und der Duft von Holzfeuer, an den wir uns hoffentlich nicht zu schnell gewöhnen werden. Nach einer Tasse Kaffee war die Schlüsselübergabe dann schnell erledigt: Eine Seite Übergabeprotokoll (ein paar Schlüssel, keine Mängel), ein paar Unterschriften, dann war's unseres.
Da zu dem Haus eine Katze gehört, die weiterhin gefüttert werden möchte und die nächsten Frost in's Land ziehen soll, sollte E. vorerst einen Haustürschlüssel behalten, um die Bude warm und die Katze gesättigt zu halten, während wir in den nächsten Tagen zwischen Velbert und Stafstedt hin- und herpendeln werden. Nachdem das geklärt war, hatten wir das Haus für uns allein und begannen, es mit unserem Gerümpel aus dem Auto und Anhänger zu füllen. Zuerst war die Matratze und Kistenweise Decken, Felle und Kissen dran, für die Schlafstätt in Stafstedt. Das Auspacken gestaltete sich zeitraubender als geplant, denn rund um das Haus zogen viele Duzend Feldsperlinge, Blau-, Kohl- und Sumpfmeisen, Gimpel, Rotkehlchen, Kleiber und der eine oder andere Buntspecht an den diversen Futterstellen immer wieder Aufmerksamkeit auf sich. Ein derartiges Vogelgewusel hatten wir schon lange nicht mehr erlebt!
Dann plagte uns bald der Hunger und wir beschlossen, zwecks Nahrungsaufnahme nach Rendsburg zu gurken. In der "Alten Hauptwache" ließ sich die Schlüsselübergabe feiern und eine Flasche Wein zum Anstoßen vor dem Kaminofen mitnehmen. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass die nächsten gastronomischen Möglichkeiten künftig nur noch mit PKW erreichbar sind und ein umfangreicherer Genuss alkoholischer Getränke nur noch mit Taxi kombinierbar sein werden. Den Luxus eines stündlich fahrenden Nachtexpress-Busses sucht man hier auf dem Lande wohl vergebens.
Die Nacht gestaltete sich wie erwartet: dunkel und still, bis auf die beharrlichen Balzrufe der Waldkäuze...
Der Sonntag stand im Zeichen des Schleppens von Kisten, Zusammenbau erster Möbelstücke, Putzen der Nebengebäude, Betrachten des Vogelgewusels und Erkunden des Gartens. Während das Haus sich schnell wie "zu Hause" anfühlt, birgt der Garten noch viele Geheimnisse und Überraschungen. Eine bislang unentdeckte Hagalaz-Rune auf einem Granitstein ist nur eine davon. Die Funktionsweise und Zustand der Elektrik eine andere. Letzterer wird Will zusammen mit Micha nächstes Wochenende zu Leibe rücken, dazu also später mehr.
Einige Feststellungen dieses Tages:
- Während in Velbert ein 5kg-Sack Vogelfutter und ein paar Meisenknödel für den ganzen Winter reicht, werden wir hier so viel pro Woche verbrauchen. Die Vögel sind viele und hungrig.
- Die Akkus könnten, obwohl sie noch keine 4 Jahre alt sind, in einem schlechteren Zustand als angenommen sein: Bereits am Sonntagabend musste der Diesel angeworfen werden, nachdem dieser am Samstagmorgen bereits gelaufen war. Oder die Heizungspumpe verbraucht weitaus mehr als angenommen.
- Das Dieselaggregat produziert dermaßen viel Abwärme, dass es eine Schande wäre, diese nicht zu nutzen. Der Kühlkreislauf wird wohl bald an den Heizungskreislauf des Hauses angeschlossen werden (müssen! Wir sind ja keine Umweltsäue).
- Es liegen bereits/noch immer Warmwasserleitungen zum Nebengebäude, wo früher einmal Solarthermie-Module angeschlossen waren. Das bedeutet, dass wir schon bald ohne großen Aufwand neue ST-Module auf dem Dach des Nebengebäudes installieren können.
- Der Boden im Garten gleicht einem Sumpf. Es hat in den letzten Wochen viel geregnet und durch die nicht sehr tief liegende Glei-Schicht bleibt es in den oberflächennahen Bodenschichten gefangen. Daher werden wir wohl Hügel- und Hochbeete anlegen müssen, mit dem schönen Nebeneffekt, dass wir womöglich das eine oder andere Kleingewässer im Garten schaffen können.