Das Große Graben
Wir buddeln nun schon seit einer ganzen Weile in unserem Garten herum und erzählen allen, was wir alles tolles dabei finden, aber Bilder davon sind wir bis jetzt schuldig geblieben. Daher sollen hier endlich ein paar Bilderchen von unserem Fortschritt diesbezüglich berichten.
Layoutkonzept
Hinter dem (sogar auf Satellitenbildenr zu erkennenden) Buchsbaum-Rondell erstreckt sich eine weite, ebene Fläche hin zu den Solarmodulen. Diese ist zweigeteilt durch eine Hecke (im Bild ganz rechts) und bietet optimale Abmaße für einen ordentlichen Gemüsegarten. Sodann ward unser Plan geplant, dieses Jahr mit der linken Seite anzufangen und dort einige jeweils gleich große, symmetrisch angeordnete Gemüsebeete anzulegen, umrandet von einem irgendwie gearteten Zaun, welcher die Rehe, Hasen und anderes Gekreuche von der gelegentlichen Knabberei einer gemüsigen Leckerei abhalten sollte.
Etliche drei- bis vier Meter lange Fichtenstämmchen aus dem unmittelbar angrenzenden Wald (Danke an den Waldbesitzer!) sollten die Umrandung bilden. Aber wenn man schon dabei ist, könnten noch mehr davon auch als Hochbeetkonstruktion nutzen... Während einerseits also weiter Holz im Wald gesammelt wurde, begannen wir andererseits mit dem Abstechen der Grasnarbe. Dies sollte auf dem hiesigen Sandboden eigentlich leicht und flott von der Hand gehen, doch wir hatten diese Rechnung ohne die Entstehungsgeschichte dieses Hauses gemacht. Bereits bei den ersten Spatenstichen trafen wir auf Bauschutt: überwiegend kleinere und ein paar mittelgroße Backsteinstücke, welche die Arbeit trotz ihrer vergleichsweise kleinen Zahl erheblich beeinträchtigten, da nur mit Kreuzhacke statt Spaten ein Vorankommen denkbar war.
Impediment!
Doch bereits nach wenigen Quadratmetern, vielen Schubkarren und in rund 30cm Tiefe lag er dann: Der Brocken. Der Brocken war groß, schwer und aus Granit; man könnte ihn als Fundament-Stein verwenden. Vermutlich diente er vor etlichen Jahren genau diesem Zwecke. Nun musste er aber aus dem Weg geräumt werden, was selbst zu zweit keine leiche Aufgabe war! Wir besiegten den Brocken jedoch noch vor der Dämmerung und mit ihm rückte unser Kräuterschnecken-Projekt um einen Stein in greifbarere Nähe.
Bereits beim Heraushieven des Brockens aus seiner angestammten Lage machte sich etwas Feuchtes bemerkbar. Der dunkle, mit organischem Material durchsetzte Gartenboden wich einem (vermutlich wohl mit Eisen und Mangan durchsetzten) braunen Sandboden, welcher sich bei weiterer Grabungsaktivität zu verflüssigen schien. Weiter unten wich diese Bodenschicht wiederum einem grauen Sand und hier wurde feucht zu nass. Bereits bei einer Tiefe von rund 60cm steht bei uns also das Grundwasser: gut zu wissen! Und eine einleuchtende Erklärung für das Fehlen einer Unterkellerung des Hauses.
Baut die Mauer wieder auf...!
Der Grundwassergraben wurde wieder zugeworfen mit Sand (Treibsand im eigenen Garten! Yay!) und die Grabungsfläche sukzessive erweitert. Es war ein wahrhaftig steiniger Weg nach unten, viele Flüche entwichen dem Mundwerk des Grabenden die gesamte Zeit über. Doch war dem lansgamen Vorankommen ein Gutes abzugewinnen: Je tiefer man nach unten vordrang, umso mehr intakte Backsteine ließen sich zu Tage fördern. Es schienen zu diesem Zeitpunkt noch nicht genug zu sein, um ein ordentliches Mäuerchen als Beetumrandung zu bauen, doch wir standen ja erst am Anfang...
In die Rolle des Brockens schlüpfte alsbald die abgebildete Mauer. Zuerst dachten wir, es handele sich tatsächlich um ein Stück in-Situ-Archäologie, doch bei weiterer Buddelei stellte es sich tatsächlich "nur" als zufällig "richtig" liegendes, intaktes Mauerfragment heraus, welches sich mit Hilfe des Trollhammers leicht deassemblieren ließ. Bald darauf hatten wir tatsächlich genug intakte Backsteine für eine halbe Beerenbeetumrandung zusammen.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Viertel der künftigen Beetfläche abgegraben, die Grasnarben für später ordentlich an der Seite gestapelt und der Boden mit Hilfe eines Wurfsiebes aufgetrennt in "Gartenerde" und "Kies bzw. Schutt".
Der Eichenring
Eine Eiche musste dieses Jahr dran glauben: die warf bereits ohne Blätter Schatten auf die künftige Beetfläche und das würde im Sommer nur schlimmer werden. Also wurde sie auf Brusthöhe abgesägt und zu Brennholz verarbeitet. Der Plan war, den Wurzelstock auszugraben und den Stamm umgekehrt im noch zu gestaltenden "Opferhain"-Teil des Gartens umgedreht wieder in die Erde zu pflanzen (einfach mal "seahenge" gugeln!). Eigentlich stand besagte Eiche nicht an einer Stelle, die mit der aktuellen Grabungsaktion interferieren sollte, doch Umstände ändern sich nunmal: Es sollte für die demnächst neu zu installierende Kläranlage ein Erdkabel quer durch den Garten gelegt werden. Der dazu notwendige Graben würde durch den Wurzelteller der Eiche schneiden und parallel zum Kopfende unserer Beete (bzw genau unter der Rückseite der neu zu bauenden Komposter) führen. So beschlossen wir, das Notwendige mit dem Nützlichen zu verbinden und den Eichenstumpf von der ihr anhaftenden Erde zu befreien.
So begannen wir, die im Laufe der Jahre offenbar stark kompaktierte Kies-Schicht auf dem Wurzelteller wegzurechen. Doch was erschien da unter dem Kies? Sicher kein Sandboden. Noch nicht einmal mehr Bauschutt! Nein, es erschien ein solider, vor Ort mit hochfestem Beton gegossener Ring von mehr als drei Metern Durchmesser und rund 10cm Mächtigkeit.
Welcher Vollpfosten sich welche wirren Gedanken bei der Schaffung dieses Werkes gemacht hat, oder ob das alles im Drogenrausch umgesetzt wurde, soll an dieser Stelle keiner weiteren Betrachtung würdig sein. Selbst der dicke Bohrhammer hatte seine liebe Mühe, dieses Bauwerk zu zermürben. Am Ende stellten sich tatsächlich der Trollhammer und die Spitzhacke als adäquateste Werkzeugkombination heraus, um dem Grauen ein Ende zu bereiten.
Der Betonmüll landete vorerst auf Halde und wartet derzeit darauf, entweder als Kräuterschnecken-Innenfüllung ein zweites Leben eingehaucht zu bekommen oder schlicht und einfach in einem Bauschutt-Container abtransportiert zu werden.
Unter den Eichenwurzeln wartete neben dem Klotz noch manch ein Stück Gemäuer und manch eine Schubkarre voll Schutt. Diese offensichtlich als Stallreste anzusprechenden Materieansammlungen aus dem Boden zu puhlen kostete etliche Stunden und Tage lang Nerven und viele Muskelschmerzen.
Den Baumstumpf selbst in Handarbeit auszugraben, haben wir übrigens aufgegeben: die Senkerwurzeln in der Mitte sind ohne erheblichen Aufwand nicht zu erreichen und so warten wir einfach, bis der nächste Bauer mal kurz Zeit hat, mit dem Trecker anzurücken. Oder wenn die Kläranlage neu gemacht wird und ohnehin ein Bagger im Garten stehen wird.
Das Gebeet
Der Frühling war irgendwann schneller als wir. Also musste sehr bald endlich erste Beetfläche geschaffen werden, denn für viele Pflänzlein ist eine Aussaat Ende März fast schon zu spät. Neben dem Beerenbeet, welches nun auch einige Ableger unserer Velberter Stachelbeeren beheimatete, wurde ein rund 4mx1m großes "Hoch"beet gebaut. Details dazu wird es gewiss einmal in einem eigenen Eintrag geben. Da andererseits Ende März aber noch mit Frost zu rechnen ist, entstand gleich nebenan auch noch ein Frühbeet aus Eichendielen, die der Vorbesitzer des Hauses uns überlassen hatte. Hier kam ebenfalls von ihm stammender Pferdemist als "Fußbodenheizung" zum Einsatz (auch dazu mehr in einem eigenen Eintrag).
Alsbald präsentierte sich der Gemüsegarten also als chimärisches Konglomerat aus hortikultureller Ordnung und Schutt-dominiertem Chaos:
An dieser Stelle sei angemerkt, dass jeder einzelne lose Stein in diesem Garten von Hand an die Stelle befördert wurde, wo er gerade liegt. Nein, vor körperlicher Arbeit scheuen wir uns nicht. Vielleicht wäre es aber klüger, an manchen Tagen nur einen halben statt zweier Kubikmeter Erdreich zur Seite zu schaufeln...
Die Deponie
Anfangs sollte baldmöglichst die versiegelte Fläche, wo vorher weitere Nebengebäude standen, wieder freigemacht werden. Aktuell bietet die Beton-Bodenplatte aber einen ausgezeichneten Deponie-Grund, insbesondere in Kombination mit den noch vorhandenen Poroton-Steinen. Die Deponiefläche ist bald vollständig belegt:
... und weiter?
Heute wurde das zweite Frühbeet fertiggestellt und die Wege zwischen den Beeten mit Holzhackschnitzel belegt. Der Graben für das Erdkabel ist fertiggestellt, die Steine teilweise sortiert, das Fichtenholz zur Seite geschafft. Bald kann ein weiteres Beet definiert werden, voraussichtlich für Zwiebeln und Knoblauch. Womöglich machen wir auf der anderen Seite der Hecke einen provisorischen Kartoffelacker. Bald muss ein Zaun gebaut werden sowie weitere Komposter. Stay tuned, wir werden berichten!
Achja: Zwischendurch finden wir durchaus Zeit, den Vögelein und allerlei anderem Getier obervatorisch beizuwohnen. Auch dazu wird es immer wieder Inhalte geben, auch auf Dianes Webseite.